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Eine Serie von intuitiven, nichtgegenständlichen Bildern zappt sich durch das kompositorische Spätwerk von Frank Zappa – und ist ein Filter für eine neue musikalische Zappa-Interpretationen

Score

Ziel dieser künstlerischen Bildforschung könnte sein, einst ein intuitiv wirkendes, doch zwischenmenschlich verbindliches künstlerisch-bildliches System musikalischer Notation zu entwickeln, das sich werkübergreifend anwenden lässt.

7 Finger

Die Ebene der Bild-Erzählung arbeitet mit Schatten vielfingriger Hände in Ausdrucksbewegung, Schwarz-weiße Strukturen verweisen auf die Tastatur des Synthesizers zu dem sie sich bewegen. Dies hat auch mit Lohners Film zu tun, der Zappa als Liebhaber von „Monster-Movies“ der 50er Jahre vorstellt, die in ihrer Vergeblichkeit und gewollt-ungewollten Unbeholfenheit behutsam eine Parallele zu dem Hauch genialer Scharlatanerie anbieten, der Zappas Werk duchzieht.

Schichten

Meine Arbeit bezieht sich auf auf die musikalischen Strukturen des Synclavier-Tonträger „Jazz from Hell“, doch ebenso auf die Sprache des Dokumentar- und Kunstfilmes Lohners, der mit fragmentarischen bildlichen Einschüben zur Experimentalmusik Zappas arbeitet und selbst eine Version der Verflechtung von Bild und Musik anbietet.

Die Schichten meines eigenen Werkes (musikalische Struktur der Synclavier-Musik, Bild-Klangfarben, Bewegung, Narrativ der Person Zappas…, Praxis des Klavierspiels) verweben sich im Prozess von künstlerischer Rezeption und künstlerischem Ausdruck. Der Betrachter ist eingeladen, diese Schichten eigenständig auszumachen (oder sich doch der ganzheitlichen Erfahrung hinzugeben, die das Bild der Musik verwandt machen).

Synclavier Doku

Es gibt einen intimen Dokumentarfilm von Henning Lohner über die kompositorische Arbeit des Rockmusikers Frank Zappa: Peefeeyatko. Zappa plaudert in Wohnzimmeratmosphäre über seine musikalische Arbeit als eine einzige, gesamtheitliche Komposition, die sich im Wechselspiel von einer Rockmusik der grundlegenden Harmonien und klassisch-modern inspirierter Kompositionsexperimente am Synthesizer (Synclavier) entwickelt.

Zappa im Raum Bad Doberan

Die Macht der Musik, die Überlegungen, Konzepte und Strukturen in musikalische Bewegung auflöst, ist das Thema dieser Arbeit. Der Komponist wird zum Astronauten im Klangraum.

So wird Entdecken das Thema des Werkes, dem Musiker (Zappa) und Bildkünstler im Einklang folgen. Seine Farbe ist das Blau.

Die Beigegelb-Ockertöne des Tafelbildes stehen für Stabilität, Geborgenheit, Wohlsamkeit, die Erforschen hervorbringen und nähren. Es ist die Grundfarbe des Films Peefeeyatko über Zappas Spätwerk. Sicherheit und Anerkennung ermöglichen dem erfolgreichen Rockmusiker künstlerische Forschung – die ihm selbst vielleicht wichtigste musikalische Leistung.

Das Verweben der Farben, das Wischen und Tupfen ist nun die Arbeit des Malers, dem (in Überwindung des Prekariats des Alltags), das Eintreten in den bildlich-musikalischen Weltenraum gelingen mag. Wenn dem Betrachter der visuelle Umschwung in das Diesseits gelingt, findet er Zappa, den Astronauten, als Zeichnung mit den musikalischen Strukturen verwoben.

Raum für Zappa gibt es auch und besonders in M-V: Die jährliche, weltbekannte Zappanale in Bad Doberan lässte die Ideen und Anregungen des Ausnahmemusikers weiterleben. Eine Anregung auch für #9c9b1f – und für die Zusammenarbeit mit Musikern der Festivalgröße Jazzprojekt Hundehagen.

Synclavier Lessons

Das collagehafte, in dauernder Bewegung befindliche, kaum fassbare musikalische Material Zappas ist eine künstlerische Zumutung – gerade, wenn man positiv-aufgeschlossen angeht, sein Werk zu verstehen.

Meine Lektion: Zappas kompositorisches Werk nach dem Just-do-it-Prinzip liefert einen Rohstoff für diese Strukturierungsleistung, Schönheit, um es vereinfachend zu sagen, künstlerische Erkenntnis fasst es vielleicht genauer, liegt im Auge des analysierenden, verarbeitenden Künstlers und kumuliert in die Ausdrucksbewegung der Hand.

Als materiellen Rohstoff, als perfekten Helfer für die künstlerischen Verarbeitung wurde eine kleine, kompakt-schwere 3 cm dicke Rotbuchentafel als Malgrund gewählt. Ihre Konzentriertheit, Gravitation hilft bei der Bändigung des Peefeeyatko und führt immer wieder zum Anliegen zurück. Sie hat wichtigen Anteil an der Selbstbehauptung gegenüber dem großen Künstlerkollegen.

Diese ästhetische Selbstbehauptung möchte ich mit dem Pianisten Jeffrey Burns teilen, dem im Zappa-eigenen Medium Musik die Ästhetisierung von Ruth is Sleeping wunderbar gelingt, oder dem Solo-Tubaisten Tom McCaslin mit seiner emotionalen und einsichtigen Version von Outside Now Again.

Ein Tafelbild mit feiner, ironischer, struktureller Kritik an Zappas Verführungskunst.

Tian Shan. Boss Me, Zappa, to the Celestial Kingdom

Die bildliche Wiedergabe der Musik Frank Zappas ist eine echte künstlerische Herausforderung., vor allem, wenn man den Habitus des Musikers als rebellischer, ironischer und zynischer Provokateur von dem Substrat seines Schaffens abziehen möchte. Als Ausweg habe ich für mich Zappas komplexe und herausfordernde Kompositionen für das Synclavier entdeckt, die ohne Texte auskommen und in sehr technischer Klangweise Strukturen offenbaren.

Darüber hinaus gehen die Gitarrensoli des Künstlers – für mich zeigen sie Zappa so ehrlich wie ihm möglich. Das hier vorgestellte Gitarrensolo „St. Etienne“ ist die Überraschung des Synclavier-Tonträgers „Jazz from Hell“. In Tian Shan habe ich darauf entsprechend der Klangfolgen emotional reagiert.

Für mich wurden die musikalischen Strukturen dabei aufgrund von Erinnerungen, die zur Schaffenszeit noch so nahe waren, zu einem Ausblick vom Lao-Shan-Berg nahe Qingdao/China – mit brennenden Augen durch trockenes Nadelholzdickicht am Taiqing Gong zum Gelben Meer. Sie bekamen so eine fast spirituelle, taoistische Dimension.

Durch das Wortspiel von Saint Etienne und Lao Shan ergab sich die Wahrheit des Bildtitels: Tian Shan, der himmlische Berg. Für manche von uns, ein bißchen, war Zappa ja auch so etwas.