Archiv der Kategorie: Strukturen Gesten

Klänge und bildliche Strukturen – verbunden über die Ausdrucksbewegung der Hand

Musikalisch-malerischer Salon

Gut besucht, mit Aufmerksamkeit und Behutsamkeit in Anbetracht der besonderen Situation der Pandemie fand der Salon Circipanien statt. Entsprechend der aktuellen Vorschriften in der Form eines Podiumsgespräches. Der Zusammenhang von Musik und Malerei im Ausstellungsbereich der Kunsthalle Karnitz wurde in den Vorträgen der Maler Ezadin und Kabuß anschaulich. In Anwesenheit der Künstlerin wurden dazu die Videos All Morgen I-IV von Iris Vitzthum gezeigt und angeregt diskutiert.

Die Reihe Salon Circipanien, die beim Fest zu Gast war, ist eine von Adrienne Györgyi begündete langjährige Gesprächs-Institution im Gebiet der Peenursprünge, die sich kulturellen Themen und einem Bedürfnis nach Gedankenaustausch und Ideenentwicklung widmet. Schön, dass dieses Stück Vernetzung mit dem Projekt Musikmalerei gelungen ist – ebenso wie der Schnittpunkt zur Aktion Kunst Heute des Künstlerbundes, von der der Salon überregional, M-V-weit angekündigt wurde.

Struktur eines fernen schwebenden Liedes

Die mit dem Tafelbild „First Sound“ begonnene Geschichte spinnt dieses Werk weiter. Es geht der These des Künstlers nach (bzw. wird es in Zukunft tun), dass sich Musik in ihrer notierbaren Struktur, die für Tonhöhen, Lautstärken, zeitliche Parameter und all ihre Zusammenhänge steht, darstellen lässt – reproduzierbar nach einem Regelwerk und doch assoziativ verallgemeinernd, für viele gültig. Mir Mut machende Vorbilder für diesen Ansatz sind die Zusammenarbeit von Le Corbusier/Iannis Xenakis – beim Fensterdesign des Klosters La Tourette oder beim Phillips-Pavillon zur Weltausstellung in Brüssel 1958, die Zeichnungen von L. Alcopley zurr Musik Edgard Varèses und die auf Akustik gegründete Informationsästhetik Abraham B. Moles.

Das offene, unvollendete Werk, das ein Spielfeld der Möglichkeiten auslegt, wird hier als leichter schwebender Beginn vorgestellt. Mittel zur Darstellung dieser Unvollendetheit ist antikes, feines, halbdurchlässiges Papier vor Kohle-Gesso-Strukturen, das im Raster mit feinen Nägeln reversibel aufgebracht wurde. Struktur und Formen von Y.s Lied können auf dieser Folie erahnt, erarbeitet, erprobt werden. Dazu bedarf es eines Zukunftselementes – eines Zusammenhanges von Ausstellungssituation, Workshops und Performance. Komplizen der künstlerischen Forschung werden dann zusammenarbeiten, um klangliche Elemente und Figuren aus Y.sLied in Zeichnungen aufzeigen und ihre Formen, Wanderungen und Zusammenhänge im musikalischen Raum wie auf einem Schachbrett offenlegen. Dafür werden die durch das Papierraster markierten Leerstellen nach und nach mit Zeichnungen der Teilnehmer gefüllt und die Positionen und Zusammenhänge der Zeichnungen zueinander immer wieder verändert. Bild und Bildschaffende(r) warten auf diese Möglichkeit der Entwicklung – nach Beendigung unserer aktuellen, bemerkenswerten Zeit.