Archiv der Kategorie: Nacht

Deutsche Kinder-Schlaflieder in Sprachen der Welt

Nachtzug

Das Werk zeigt nun das Aufwühlende, die Spuren die die Projektvorbereitung in der Arbeit gelassen hat. So entstand ein Bild unserer bewegten, aufgekratzt, bedrohlich, entscheidend wirkenden Zeit. Die mit einem an ein in Dunkel eingebettetes Gold-Orange verbundene Erinnerung, die Wärme und Sicherheit in sich trägt, weicht einer aufgeregten, schlaflosen, an ein nächtliches Fest erinnernden Bildsprache. Kraftvoll, übervoll, nervös, sich selbst befeuernd verschiebt der lärmende Nachtzug die Grenzen zum alten Schutzraum des Schlafes.

Doch das Werk ist nicht selbstzerstörerisch, ich glaube fest an die Kraft der Kunst. Im Nachtzug, schlaflos, werden wir uns verständigen. Musik und Fest überbrücken die festgefahrenen, störrischen, dummen Einseitigkeiten. Hier können wir die gemeinsamen Projekte erarbeiten und durchdenken, die die Tage gefüllt und lebenswert machen.

2 Seiten: Die eigene

Syberberg, in Demmin bekannt, weltbekannt, ist auch ein umstrittener Filmemacher. Das lernte ich, als der internationele Laienchor, dem ich die Arbeit am Bild-Liederzyklus vorschlug, absagte; auch die Idee, die Lieder in neu in M-V beheimateten Sprachen wie kurdisch und arabisch zu übersetzen und so gemeinsam eine Distanz zu gewinnen, fand keine Mehrheit.

Bewusst habe ich dann als Künstler eine Beobachterposition gesucht, um mit der eigenen Sprache und Musikalität die aufscheinende Thematik zu erforschen. Statt des eines Liedes des Zyklus aus „Die Nacht“ wählte ich dafür eine Melodie meiner geschützten Kindheit, „Abend ward, bald kommt die Nacht“ als Thema.

Eine Tambur, ein Saiteninstrument aus dem nahen Osten, erklang und erklingt dazu. Von einer alten CD aus dem Flohmarkt im Alten Speicher des Gutshauses Bobbin erklang die Tamburmusik des Iraners Ostad Elahi. Siyar, den ich in der Kulturbörse in Gnoien kennenlernte wird sie auf dem Abschlussfest spielen.

Patriae Löwe

Der renommierte Filmautor Hans-Jürgen Syberberg, Vertreter des Neuen Deutschen Films, lebt in unserer ländlichen Gegend, seine Familie stammt von hier. Bei einer regionalen Vernissage habe ich ihn kurz kennen gelernt. Mit Filmen wie „Hitler: ein Film aus Deutschland“ von 1977 stand er bei Intellektuellen wie Susan Sontag hoch im Kurs, er hat wichtige Auszeichnungen gewonnen, etwa den Deutschen Filmpreis und den Grimme-Preis. In meiner aktuellen Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Bildlichkeit und Musik in Kunst und Gesellschaft bekam seine Arbeit Bedeutung, als ich in seinem Werk „Die Nacht“, einem Film-Monolog mit Edith Clever eine 12-minütige Passage mit Abend- und Kinderliedern entdeckte. Darüber wollte ich arbeiten.

Kein schöner Land am Abend– kurdisch-syrisch-arabisch

Zusammen mit der internationalen Familie S. aus Alt Kentzlin arbeiten wir an einer dreisprachigen Übersetzung deutscher Abendlieder – inspiriert von einer Episode des Films Nacht des Nossendorfer Filmregisseurs Hans-Jürgen Syberberg, eine besondere, weltoffene Wendung. Und Tochter R. lernt im Projekt das Klavierspiel.