Archiv für den Tag 21. März 2020

Zappa im Raum Bad Doberan

Die Macht der Musik, die Überlegungen, Konzepte und Strukturen in musikalische Bewegung auflöst, ist das Thema dieser Arbeit. Der Komponist wird zum Astronauten im Klangraum.

So wird Entdecken das Thema des Werkes, dem Musiker (Zappa) und Bildkünstler im Einklang folgen. Seine Farbe ist das Blau.

Die Beigegelb-Ockertöne des Tafelbildes stehen für Stabilität, Geborgenheit, Wohlsamkeit, die Erforschen hervorbringen und nähren. Es ist die Grundfarbe des Films Peefeeyatko über Zappas Spätwerk. Sicherheit und Anerkennung ermöglichen dem erfolgreichen Rockmusiker künstlerische Forschung – die ihm selbst vielleicht wichtigste musikalische Leistung.

Das Verweben der Farben, das Wischen und Tupfen ist nun die Arbeit des Malers, dem (in Überwindung des Prekariats des Alltags), das Eintreten in den bildlich-musikalischen Weltenraum gelingen mag. Wenn dem Betrachter der visuelle Umschwung in das Diesseits gelingt, findet er Zappa, den Astronauten, als Zeichnung mit den musikalischen Strukturen verwoben.

Raum für Zappa gibt es auch und besonders in M-V: Die jährliche, weltbekannte Zappanale in Bad Doberan lässte die Ideen und Anregungen des Ausnahmemusikers weiterleben. Eine Anregung auch für #9c9b1f – und für die Zusammenarbeit mit Musikern der Festivalgröße Jazzprojekt Hundehagen.

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Klimasänger

Der Popsänger S. begegnet mir seit einer Veranstaltung zur Verleihung eines bestimmten Kunstpreises immer wieder. Oft denke ich an ihn. Irgendwie scheint er fehl am Platze, niemals gibt er auf. Der besagte Kunstpreis zielte auf künstlerische Statements, Vorschläge und Aktionen zum Klimaschutz. Kinder, Jugendliche und Laien standen gleichberechtigt neben professionellen Künstlern auf den Nominierungslisten. S. war Schirmherr der Aktion. Er beglückwünschte uns alle zu unserem Engagement und der Relevanz unserer Werke und bereitete seinen Auftritt vor. Mit Spannung erwarteten wir ein Lied, das an diese Dringlichkeit anknüpft… Es wurde kein Wohlfühlauftritt. S. sang sein neues Lied über Liebe und Trennungsschmerz. Die Blumendekorationen vor der Bühne wurde plötzlich ein Dickicht, in denen sich S. zu verstricken drohte, die Bühnenbeleuchtung zum Neonlicht an kalten Arbeitsplätzen, die wir so kaum noch zu kennen glaubten. Das Wissen um den thematischen Fehlgriff meinte man zu spüren, das Playback lief unbarmherzig. Stopp.

Nach guten Erfolgen bei einer Casting-Show und einem ersten Hit lag der Mann mit der weichen, ernsthaften Stimme oft daneben. Trat in kleinen Shows auf. Schaffte keinen neuen Hit.

Doch unsere neue Begegnung – mit einer Duettpartnerin sang er ein Lied über das Wieder-Aufstehen auf dem Bildschirm einer Fast-Food-Kette – hat mich erreicht. In dem Moment habe ich verstanden, worum es schon beim Klimapreis ging. Dass wir, um die Kunst für die Aufgaben, die unsere Welt ihr gibt – Klimaschutz, Zwischenmenschlichkeit, Lebensalternativen – in Bewegung zu halten, als Künstler durchhalten müssen.

Sei es mit einem Honorar für ein unpassendes Lied. Mit aller möglichen Kunst gegen die unwirtliche Welt. Sing weiter, Popstar, sing deine Lieder, gib niemals auf, auch wenn die Kräfte schwinden! Ich widme dir ein Bild.